FENETRES D´AVENIR

Die Spirale hat mich immer interessiert, nach Erhalt eines typischen weihnachtlichen Prospekt der Vorweihnachtszeit in Nov.-Dez. ´98. Ein Buchtitel lenkte meine Aufmerksamkeit, und schon wollte ich unbedingt diese Idee für mein Y2K benutzen:
 
 
Und ganz ehrlich der Gedanke 2000 kleinen Quadraten umzuschneiden gefiel mir halt nicht zu sehr. Und ab dem Moment, wo ich meine Quadrate neu schneiden musste, hätte ich kein Charm-Quilt mehr ... nicht wahr?

So nähte ich mein Y2K und verlier die Idee einer Spirale nicht, das würde ich auch irgendwann nähen.

In Mai 99 erfuhr ich, dass meine Freundin Nathalie sich von ihrem Mann trennen würde, und definitiv nach Frankreich zurück wollte. Der 21.6.99 ist ein sehr trauriges Datum in meinem Leben, diejenige von Ihnen, die eine sehr gute, treue, sensible Freundin schon "verloren" haben, wissen wovon ich spreche.

Selbstverständlich ist sie nicht "verloren", sie ist nur weit, sehr weit weg, und es war mir klar, dass ich sie ein Quilt nähen würde, ein Quilt als Versprechen für ihr neues Leben, für ihre Zukunft, für unsere Beziehung, für alles ...

Und auch selbstverständlich bat sich erneut die Spirale an. Diese mystische Seite der Spirale, die sich öffnet und verschließt, die atmet. Die Spirale ist nach Draußen und nach Innen gehen, nach Innen sich wieder finden, nach Außen die Welt erforschen. Ich liebe die Spirale, ... die spricht zu mir: "Alles ist gleich aber nie identisch, es ist ein endloses Kreis, es gibt keinen Anfang, keine Ende". Im Gegenteil zum Kreis, der Kreis definiert sich selbst, und schließt alles ein oder aus, alles ist definiert und unbeweglich.

Die Spirale atmet.

In den USA fand ich -zufällig-, aber gibt es überhaupt Zufälle? - das Buch: QUILTED LANDSCAPES de Joan Blalock -That Patchwork Place -.
 

 
Da ich keine Autorrechte auf das Buch habe, kann ich nicht die Einzelheiten des Buches enthüllen, aber ich darf sagen, dass die beschriebene Arbeitsweise mir endlich erlaubte diese geliebte Spirale zu nähen. Und es war wichtig, ich konnte die nähen, diese Spirale, die bei mir im Winterschlaf schlummerte, wartete ...
Die drei wichtigen Aspekten sind:
  • Die Spirale auf ein Minimum zu reduzieren, in verschiedenen Teilen trennen um die Teilen aneinander nähen zu können.
  • Mit Paper-Piecing zu nähen, also spiegelverkehrt.
  • Stoffbänder einer bestimmten Höhe zu benutzen, um die Arbeit zu vereinfachen.
Erstmals schaute ich im EQ4 (Programm aus The Electric Quilt Company), mein liebstes Programm, das ich leider nicht benutzen konnte, da mein Projekt leider die Rahmen von dem sehr guten EQ4 sprengte. So versuchte ich das in Corel Draw indem ich die schlauen Ratschläge eines Graphikers folgte, siehe hierzu mein Y2K-Charm-Quilt oben.
Das Bild wurde eingescannt, importiert, auf verschiedenen Ebenen gearbeitet ... und ich arbeite selbstverständlicherweise im Maßstab 1:1. Auf dem gesamten Quilt verteilte ich ein Gitter von 3x3 cm, dann zeichnete ich verschiedenen Teilen mit sanften Kurven um die einfach aneinander nähen zu können, es wurden auch Verbindungslinien als Markierungen auf die Teilennählinien verteilt, alles wurde nummeriert. Es schien ziemlich einfach, aber es war es wirklich nicht! Corel Draw kannte ich nicht wirklich, so musste ich intuitiv arbeiten, mit viel Geduld (mir gegenüber!) und mit einem Buch auf dem Schoß. Aber nach einiger Zeit, hatte ich wirklich im Corel Draw ein Quilt von exakt 130x180 cm, das ich in Paper-Piecing nähen konnte!!! Unglaublich nicht? Für diesen Entwurf am Computer brauchte ich unzählige Arbeitsstunden, vielmehr als für das Nähen.
 
  Dieses Bild ist ziemlich schlecht, weil ich nicht während der Konvertierung vorbereitet war. Tja, von einer Corel-Draw-Datei zu einer jpg-Datei, es nahm Stunden in Anspruch, weil eine Datei mit ca. 20 MB entstand, es dauerte Stunden, und der PC hatte große Schwierigkeiten mit der Dateimenge, gleiches Problem bei der Größenverkleinerung des Bildes! Das Bild ist zwar unscharf, aber so können Sie trotzdem eine kleine Idee meiner Arbeit bekommen!
 
Dann kam das Druckproblem (ja, wenn ein Programm nicht vertraut ist!) ... und brauchte viel Zeit zu erkennen: Corel Draw kann in Mosaik (also in Größe 1:1) und auch spiegelverkehrt drucken. Und alles noch zusammen, alles um mir zu gefallen!
Es wurde "normal" und "spiegelverkehrt" gedruckt, es wurde noch mehrfach fotokopiert (Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste), dann mit einer Schneidermaschine schnitt ich die weißen Rändern weg. Mitte Dez. ´99 war ich -fast- nähbereit. Also nach einem ganzen Jahr.
Alle Seiten wurden aneinander mit Tesafilm geklebt, die Segmenten wurden herausgeschnitten, aber ich war immer noch unschlüssig, was das reine Nähen betraf. Der erste Dienstag vom 2000 kam Frau Fischer kurz zu Besuch bei mir. Wir sprachen über´s Färben, weil Frau Fischer wunderschöne Batiks färben kann, und ich bin sehr unzufrieden mit meinen Ergebnissen. Zum Schluss zeigte ich noch Frau Fischer meine Papierteilen und seufzte über meine Unentschiedenheit mit dem Nähen. Von ihr kam einen sehr guten Impuls: es müsste in Crazy-Technik genäht werden, so spielen die Nähte keine Rolle...
Die Idee von Frau Fischer bearbeitete mich, und irgenwann war das sehr klar wie Quellwasser. Ich schnitt Streifen von je 5 cm hoch, und nähte diese Streifen wirklich wie Paper-Piecing. Vorher wurden noch die farbigen Stoffen farblich sortiert, et voilà, es war so simpel, so einfach, wirklich!

Wie ich das machte:

  Ein Teil, in reeller Größe, vor der Teilung und Änderungen.
     
  Änderungen mit Lineale um gerade Nahtlinien zu haben, getrennten Teilen vor dem Nähen.
     
  Genähte und gebügelte Teilen, nachgeschnitten mit exakt 1 cm Nahtzugabe.
     
  Dies erlaubt eine schnelle Zusammenfügung der verschiedenen Teilen. Um den Quiltrand habe ich grundsätzlich 2 cm gelassen.

Das gleiche Teil von Rechts.

     
  Erstmals "waagerechte" Zusammenfügung.
     
  Senkrechtes Zusammennähen.
     
  Anbringen des passenden Nebenteil.
     
  Zwei Teilen bilden ein größeres Stück.

Es ist wirklich so einfach!

Ich brauchte mehr Zeit für den Entwurf auf Corel Draw, für das Drucken und Zurückschneider als für das:

NÄHEN!!!

Dieses Bild ist auch qualitativ nicht wirklich der Hit, es ist unscharf mit untergehender Sonne darauf, aber es ist das 1. Bild von diesem Quilt.
Die Damen, die auch gerne Paper-Piecing nähen, kennen auch die Phase namens: Ausreißen des Papiers, es dauerte auch Stunden, und zum Schluss Pinzette in einer Hand, Staubsauger auf niedriger Stufe in der andere. So sah der Quilt vor dem Sandwich!
Für die Rückseite wollte ich auch gerne etwas Spezielles für meine Freundin, und benutzte die kleinen Kenntnissen, die ich hatte durch das Buch von Adriene Buffington Hand-Dyed FABRIC Made Easy, Kenntnisse, die Frau Fischer freundlicherweise ergänzte. So versuchte ich eine falsche Shibori-Technik.
 
   
 
Ich habe noch Bänder addiert um die gewünschte Breite zu erhalten, und ich wünsche mit meiner alten Nähmaschine eine Quiltarbeit in Spirale.
Am 26.2.200 hatten wir ein kleines Distrikt-Treffen der Deutschen Patchwork Gilde und ich hatte diese unfertige Decke gezeigt. Leider sahen die Teilnehmerinen etwas Unfertiges ohne genau zu wissen, wie dieses Quilt entstand.
 

Aber ... Sie wissen es

... jetzt ...

 

Fenêtres_d´Avenirs

 
Diese Arbeitstechnik gefällt mir sehr, ein paar Punkte möchte ich gerne bessern, weil alles noch so neu für mich ist, aber es ist normal, oder?

Text und Bilder: Copyright 2000 Catherine Pascal

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